Mein ganzes Leben lang wollte ich die Welt kennenlernen. Zu warten bis ich endlich mit der Schule fertig bin viel schwer.

Nicht dass ich mich nicht auch vorher schon das ein oder andere Mal auf die Reise begeben hätte – mit Familie und ohne.

Aber nach dem Abi begab ich mich auf eine Reise, deren Auswirkungen ich nicht absehen konnten. Meine Eltern wollten, dass ich studiere oder eine Lehre machen, sicher verständlich, aber ich bewarb mich auf alles, was ich finden konnte, um ein Jahr im Ausland leben und arbeiten zu können. Ich wollte mich in einer neuen Umgebung kennenlernen, ich wollte wissen, wie sich die Welt anfühlt. Wie andere Menschen leben, lieben, lachen und weinen. Und endlich selbstständig sein. Little did I know…

Und so kam ich in die Ukraine, in ein Dorf in Transkarpatien, in dem Ungarisch gesprochen wurde und auch die Uhren nach ungarischer Zeit liefen. In dem es im Winter nur ein paar Stunden am Tag Strom gab, mit Plumsklo und Läden, die ich alleine nie als solche erkannt hätte.

Statt selbstständig zu sein, konnte ich auf einmal gar nichts mehr alleine. Nicht sprechen, nicht einkaufen, nicht kochen (wie mache ich ein Feuer im Ofen? Ohne Grillanzünder 🙂 ), nicht reisen – nichts. Aber ich hatte das unwahrscheinliche Glück von wunderbaren Menschen aufgenommen worden zu sein, die mir geduldig alles zeigten und erklärten und denen ich immer noch zutiefst verbunden bin.

Viele der Kinder auf diesen Bildern haben inzwischen selbst Kinder. Nicht alle der Menschen auf diesen Bildern sind noch am Leben. Der Hund kam mit mir nach Deutschland, die Katze und Menschen besuchte ich regelmäßig. Heute sind wir hauptsächlich über Facebook in Kontakt.

Im nächsten Jahr (2022) werde ich hoffentlich wieder zu Besuch nach Transkarpatien fahren können. An keinem anderen Ort habe ich so viel Liebe erfahren dürfen.

Und den besten Kaffee gibt’s dort auch!

Ähnliche Artikel