Kommunikation in der Beziehung: egal, ob Liebesbeziehung oder Beziehungen mit Freund_innen, Kolleg_innen oder Familie. Ehrlichkeit ist Trumpf. Natürlich angepasst an die Situation! Mit diesen 5 Tipps klappt es sicher!

Von Watzlawick haben wir in der Schule schon gelernt, dass auch nicht zu kommunizieren Kommunikation ist. Genauso wie nicht reagieren auch eine Reaktion ist oder keine Entscheidung zu treffen auch eine Entscheidung ist.

Wir sind also nie passiv, auch wenn es uns vielleicht so vorkommt, denn mit unserem mitmachen und nicht kommunizieren, sagen wir unserem gegenüber, dass wir einverstanden sind, auch wenn wir es nicht sind.

Heute wurde mir ein Artikel aus der Beziehungskolumne in der FAZ vorgeschlagen: „Kannst du nicht mal leiser atmen?“ von Anna-Lena Ripperger.

In dem Artikel beschreibt die Autorin:

“Vor zehn Jahren, am Anfang unserer Beziehung, fand ich es noch schmeichelhaft, dass er angeblich besser einschlafen kann, wenn ich neben ihm liege. Inzwischen fühle ich mich von dieser Behauptung emotional erpresst.”

Dass sich die Autorin davon erpresst fühlt, ist sehr verständlich! Und wie sie im Weiteren beschreibt, hat sie auch das Gefühl, dass sie in dieser Erwartung gar nicht gesehen wird. Aber, die einzige Person, die dies ändern kann, ist sie selbst.

Als Frauen haben wir es oft einfach nicht gelernt, dass wir das Recht haben für unsere Bedürfnisse einzustehen, oder wie das eigentlich funktioniert. Es wurde uns nicht vorgelebt, und, wie sie auch erwähnt, im Freundeskreis sieht es nicht anders aus.

Was also tun? Das Erste ist sicherlich sich einzugestehen, dass die eigenen Bedürfnisse gerechtfertigt sind. Und dass es spätestens nach zehn Jahren an der Zeit ist darüber zu reden.

Der Wunsch der Autorin nach räumlicher Trennung macht Sinn, denn diese Trennung oder Abstand suchen wir dann, wenn wir nicht in der Lage sind unsere Grenzen zu setzen und unseren eigenen Bedürfnissen gerecht zu werden. Das ist nicht schlimm! Denn das kann man lernen!

Auch ich habe lange gedacht es Partner_innen recht machen zu müssen. Ich dachte, wenn ihnen ihre Bedürfnisse so wichtig sind, dass sie sie ganz natürlich einfordern, dann können meine ja nicht so wichtig sein, wenn es mir so schwerfällt.

Aber das stimmt eben nicht. Und die eigenen Bedürfnisse nicht mit dem Partner oder der Partner_in zu teilen, gibt ihnen gar nicht die Chance für uns da zu sein.

Wenn der Freund tatsächlich nicht alleine einschlafen kann, dann muss er sich Hilfe suchen, auch da gibt es Unterstützung. Gleichzeitig schläft er aber ja alleine, wenn sie unterwegs ist. Nur wenn sie in der Wohnung ist, scheint es für ihn selbstverständlich zu sein, dass sie gemeinsam ist Bett gehen.

Auch da ist an sich gar nichts Verwerfliches dran. Das ist wahrscheinlich das, was er vorgelebt bekommen hat, oder wie er sich eine Beziehung vorstellt. Wenn diese Sicht aber nicht bei beiden übereinstimmt, dann muss man darüber reden:

“Ich reagiere auf all diese ungeschriebenen Schlaf-Paragraphen mit stillem Protest. […] Mein passiver Widerstand wird aber spätestens dann gebrochen, wenn mein Freund noch einmal das Bett verlässt, um seinem Anliegen durch Präsenz Nachdruck zu verleihen.”

Und damit sind wir wieder bei Watslawick. Denn wenn wir in dieser Situation nur nachgeben, dann ist es leicht für unser Gegenüber zu denken, dass wir einfach nur abgelenkt sind, dass er uns etwas Gutes tut, denn Schlaf ist doch gut, usw.

Sosehr wir es uns vielleicht wünschen, dass unsere Bedürfnisse gesehen, unsere Gefühle erahnt und unser stiller Protest erkannt wird – im Zweifelsfall hat der Partner/die Partnerin einfach keine Ahnung. Aber das lässt sich mit einer guten Kommunikation in der Beziehung ändern! 

Hier alsO meine Tipps für eine gute Kommunikation in der Beziehung:

  1. Deine Bedürfnisse sind immer genauso wichtig wie die Deiner Partnerin/ Deines Partners. Gestehe sie Dir ein und lerne über sie zu reden. Das kannst Du mit Freund_innen üben, oder gerne auch mit mir. Schick mir einfach eine Nachricht.
  2. Besonders wenn Strukturen schon lange bestehen, kann es Angst machen sie zu brechen. Du musst Dich entscheiden, was Dir wichtiger ist: gesehen und gehört zu werden, mit der Möglichkeit gemeinsam zu wachsen oder weiter unter der Situation zu leiden.
  3. Sei ergebnisoffen! Besonders wenn man selbst dazu neigt, jeder Forderung/Anfrage des/der anderen nachzukommen, hat man das Gefühl, dass wenn man nun endlich selbst etwas sagt, dem auch nachgekommen werden muss. Mache Dir klar, dass Du damit erst mal nur einen Dialog öffnest. Genauso wie Du in Zukunft auch Wünsche ablehnen kannst, darf es Dein Gegenüber auch.
  4. Sei kompromissbereit. Als Menschen haben wir unterschiedliche Bedürfnisse und das ist gut so. Die Frage ist, wie wir damit umgehen. Wenn in der Beziehung sonst alles gut läuft, dann ist es sicherlich kein Problem den unterschiedlichen Schlafbedürfnissen nachzukommen, weil ihr andere Wege finden werdet Euch nah zu sein.
  5. Behalte bei jedem Gespräch im Hinterkopf, dass Deine volle Entfaltung und die Deiner Partnerin/ Deines Partners / Deiner Partner_innen gleiche Priorität haben. Im offenen und ehrlichen Gespräch mit uns selbst und miteinander können wir lernen, was uns wichtig ist, wo wir für unsere Freiräume einstehen müssen und wo wir gerne auf die andere Person zugehen. Denn nur, wenn wir uns gegenseitig unterstützen unser bestes Leben zu leben, können wir auch aus vollem Herzen Liebe geben und annehmen.

Am Anfang sind diese Gespräche oft emotional, schwierig und man ist aufgeregt und unsicher. Das ist ganz normal und sollte kein Hinderungsgrund sein, denn wie auch in allen anderen Bereichen, ist noch kein_e Meister_in vom Himmel gefallen. Eine gute Kommunikation in der Beziehung will geübt sein!

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